Digitalguide

Unter dem Titel ZOOM IN rückt das Kunstmuseum Bonn im Rahmen der Sammlungspräsentation „Kraftfelder“ künstlerische Einzelpositionen in den Fokus: Künstler:innen bespielen dafür jeweils einen gesamten Raum und erschaffen hier immersive, begehbare Installationen mit Werken aus der museumseigenen Sammlung sowie Dauerleihgaben der Sammlung KiCo.

Die ZOOM IN-Installationen heben sich in ihrer Gestaltung und Atmosphäre von der restlichen Präsentation ab. Gleichzeitig knüpfen sie an die inhaltliche Ausrichtung der Sammlungspräsentation an und setzen einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Themen Transparenz & Verhüllung, Gemeinschaft & Spaltung, Verletzlichkeit & Widerstand sowie Mikro- & Makrokosmos.

Mit Werken von Ulla von Brandenburg, Thomas Demand, Dominique Gonzalez-Foerster, Anton Henning, Sigmar Polke, Tomás Saraceno und Hito Steyerl.

Begleitend zur ZOOM IM-Reihe findet ein Programm aus Vorträgen, Workshops und Künstler:innengesprächen statt.

3. Okt 2026 11 Uhr
HITO STEYERL. Animal Spirits
Künstlerinnengespräch

22. Nov 2026 15 Uhr
ULLA VON BRANDENBURG. Two Times Seven
Vortrag

Weitere Termine folgen.

THOMAS DEMAND

Thomas Demand (*1964 in München) ist bekannt für seine Fotografien von Räumen aus Papier und Karton. Die Motive findet er zumeist in den Medien oder in alltäglichen Situationen. Der Künstler fertigt in sorgfältiger Handarbeit ein Modell im Maßstab 1:1; sobald er es fotografiert hat, wird das Modell zerstört. Die Fotografien bettet er oftmals in besondere Schauplätze ein: So besteht seine Arbeit Fels aus einer wandfüllenden Tapete, die den Ausstellungraum in eine Art Höhle verwandelt. Das Motiv erinnert an Behausungen frühzeitlicher Menschen. Zugleich denkt man an Lagerstätten für wertvolle Güter wie Samen, Mikrofilme oder auch Kunstwerke, die für eine zukünftige Menschheit aufbewahrt werden sollen.

ULLA VON BRANDENBURG

Die raumgreifende Installation von Ulla von Brandenburg (*1974 in Karlsruhe) besteht aus sieben Reihen mit je zwei deckenhohen Vorhängen in verschiedenen Farben. Mit Kordeln, Leitern und Angelruten sind sie so angeordnet, dass sie wie eine theaterhafte Bühne wirken. Die Besucher:innen sind eingeladen, sich durch die Installation zu bewegen.

ANTON HENNING

Anton Henning (*1964 in Berlin) verbindet klassische Malereithemen wie Stillle­ben, Akt oder Landschaft und verschiedene kunsthistorische Epochen miteinander. So erschafft er eine eigene Sammlung, die er in einer Art Salon präsentiert: einem Empfangsraum, wie er im 19. Jahrhundert verbreitet war. Seine Interieurs sind begehbare, bühnenhafte Wohnräume, die er nicht nur mit eigenen Malereien, sondern auch mit selbst entworfenen Möbeln und Wandbemalungen ausstattet – wie in diesem Fall mit einer Leuchte, einem Biedermeier-Sofa und dem skulpturalen Tisch, der vom Künstler selbst malerisch bearbeitet wurde.

SIGMAR POLKE

Sigmar Polke (1941 in Oels – 2010 in Köln) verwendet immer wieder ungewöhnliche Materialien in seinen Werken und äußert damit seinen Widerstands gegen Gepflogenheiten des Bürgertums und des Kunstbetriebs. Ab den 1960er und 1970er-Jahren greift er beispielsweise Motive aus der Modewelt auf, wie eine Anzeige für Polyesterfasern, spannt Gardinenstoff auf einen ungeschliffenen Keilrahmen oder lässt flüssige Farbe auf einen Polyester-Flokati tropfen. 1986 bespielt er den deutschen Pavillon der Venedig Biennale, wo er unter dem Titel Athanor mit Chemikalien und physikalischen Prozessen experimentiert.

Als Teil des Verbundprojekts Sigmar Polke. Athanor Now, das auf Initiative der Anna Polke Stiftung entstanden ist, erinnert die Präsentation im Kunstmuseum Bonn an das vierzigjährige Jubiläum seines Beitrags zur Venedig Biennale, für den Polke einen Goldenen Löwen erhielt.

DOMINIQUE GONZALEZ-FOERSTER

Mit ihrer Arbeit knüpft Dominique Gonzalez-Foerster (*1965 in Straßburg) an die Tradition des Panoramas an: Vor Ansichten von Berlin versammeln sich Personen des kultu­rellen Lebens aus dem 20. und 21. Jahrhun­dert. Neben dem Corona-Virus oder Bildern ferner Galaxi­en, zitiert sie hier auch Bildelemente von abstrakten Maler:innen wie Helen Frankenthaler, Elaine de Kooning oder Lee Krasner, die von der Kunstgeschichte lange vernachlässigt wurden. Die Sitzkissen in Form von Büchern laden dazu ein, mitten im Werk Platz zu nehmen.

TOMÁS SARACENO

Der Künstler und Architekt Tomás Saraceno (*1973 in San Miguel de Tucamán, Argentinien) arbeitet seit über 20 Jahren mit internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. In seinem Werk verbindet er Erkenntnisse aus den Bereichen Biologie, Physik, Raumforschung und Ingenieurwesen. Für Stillness in Motion verspannt er ein Netz aus Seilen im Raum, in dem verspiegelte geometrische Körper schweben. Die Besucher:innen können sich achtsam durch die Installation bewegen, die mit jedem Schritt neue Durchblicke eröffnet.

HITO STEYERL

Hito Steyerl (*1966 in München) gilt als eine der einflussreichsten zeitgenössischen Künstlerinnen, die mit ihren medientheoretischen Überlegungen wichtige Impulse zu aktuellen Themen setzt. Mit ihren Arbeiten beleuchtet sie kritisch die fortschreitende Technologisierung sowie die bestehenden Machtverhältnisse in der Gesellschaft. Die Rauminstallation Animal Spirits erinnert an einen geheimnisvollen, fremden Planeten oder an eine Tropfsteinhöhle: Projektionen von Höhlenmalereien schmücken die Wände und beleuchtete Glasgefäße mit Pflanzen hängen wie Himmelskörper von der Decke. Natur und Technik verbinden sich zu einer Flut an Sinneseindrücken aus rhythmischen Klängen und Tierdarstellungen.